Versicherungen? Klingt für viele im ersten Moment nach Verträgen, Formularen und einem eher ruhigen Bürojob. Genau dieses Bild hatte auch Nina Vorderleitner, bevor sie selbst in die Branche eingestiegen ist.
Kein Tag ist wie der andere
Einen klassischen Start in den Arbeitstag gibt es für Nina nicht. Mal beginnt ihr Morgen mit einem Termin bei Kundinnen und Kunden zu Hause, mal mit einem persönlichen Gespräch im Büro. An anderen Tagen stehen zunächst E-Mails, Telefonate oder organisatorische Aufgaben auf dem Programm.
Zu ihren regelmäßigen Tätigkeiten gehören Angebote erstellen, Kundinnen und Kunden beraten, Schadenfälle bearbeiten, telefonische Anfragen beantworten und administrative Aufgaben erledigen. Einiges davon lässt sich gut planen. Doch dann kommt ein Anruf dazwischen, ein dringender Schaden muss aufgenommen werden oder jemand benötigt kurzfristig ein neues Angebot.
Genau diese Mischung aus Planung und Unvorhersehbarkeit macht den Beruf für Nina spannend.
„Man weiß morgens nie genau, welche Anrufe eingehen werden, welche Anliegen die Kunden haben oder welche Situationen im Laufe des Tages auf einen zukommen.“
Von Altersvorsorge bis Wasserschaden
Wie unterschiedlich ein einziger Arbeitstag aussehen kann, zeigt ein Beispiel aus Ninas Alltag besonders gut.
Am Vormittag sprach sie mit einer Kundin über Krankenversicherung und Altersvorsorge. Dabei geht es um weit mehr als Zahlen und Tarife: Gesundheit, persönliche Lebenssituationen, Sorgen um die Zukunft und die Frage, wie man sich langfristig gut absichern kann, spielen eine wichtige Rolle.
Danach ging es für Nina ins Büro. Dort erledigte sie administrative Aufgaben und unterstützte noch vor Mittag einen Kunden bei der Anmeldung seines Fahrzeugs. Gleichzeitig beriet sie ihn zur passenden Kfz-Versicherung.
Am Nachmittag standen weitere Angebote, Telefonate und individuelle Rückfragen auf dem Programm. Gegen Ende des Tages meldete sich schließlich ein Kunde wegen eines Wasserschadens im Keller. Nina nahm den Schaden gemeinsam mit ihm auf und leitete die nächsten Schritte ein.
Ein Tag, wie er für Nina typisch ist: unterschiedliche Menschen, unterschiedliche Anliegen und immer wieder neue Situationen. Genau das macht für sie den Reiz des Außendienstes aus.
Hinter jedem Vertrag steht ein Mensch
Natürlich gehören Verträge, Formulare und administrative Aufgaben zur Versicherungsbranche. Für Nina sind sie aber nur ein Teil des Berufs.
„Hinter jedem Vertrag und jedem Formular stehen Menschen mit ganz unterschiedlichen Lebenssituationen, Bedürfnissen und Geschichten.“
Wer Kundinnen und Kunden über längere Zeit begleitet, lernt nicht nur ihre versicherungstechnischen Bedürfnisse kennen, sondern oft auch ihre persönlichen Geschichten. Manche davon sind erfreulich, andere herausfordernd: eine neue Lebenssituation, finanzielle Sorgen, eine Krankheit oder ein Schicksalsschlag.
Gerade dann zeigt sich, was persönliche Beratung leisten kann. Denn nicht immer steht am Anfang die Frage nach einem Produkt. Manchmal geht es zunächst darum, zuzuhören, Verständnis zu zeigen und gemeinsam herauszufinden, welcher nächste Schritt sinnvoll ist.
Wenn Beratung einen Unterschied macht
Besonders in Erinnerung geblieben ist Nina die Geschichte einer älteren Kundin.
Die Frau wollte ihre private Krankenversicherung kündigen, weil sie sich die Prämie finanziell nicht mehr leisten konnte. Statt die Versicherung einfach zu beenden, suchte Nina gemeinsam mit ihr nach einer anderen Lösung. Der Tarif wurde angepasst und die Prämienzahlung zeitweise ausgesetzt. So konnte der Versicherungsschutz erhalten bleiben.
Einige Zeit später benötigte die Kundin aufgrund starker Schmerzen eine Operation. Zunächst ging sie davon aus, dass die Kostenübernahme abgelehnt worden war. Nina sah sich den Fall noch einmal genauer an und stellte fest, dass lediglich Rückfragen an den behandelnden Arzt unbeantwortet geblieben waren.
Sie unterstützte die Kundin dabei, einen neuen Arzt zu finden, und kümmerte sich um die notwendigen Schritte für die Kostendeckung. Kurz darauf konnte die Operation durchgeführt werden – und die Kundin war später endlich schmerzfrei.
Für Nina war das einer jener Momente, die ihr zeigen, warum sie diesen Beruf gerne macht.
„Genau solche Erlebnisse zeigen mir, dass es in unserem Beruf nicht nur um Versicherungen geht, sondern vor allem darum, Menschen in wichtigen Lebenssituationen zu helfen.“
Kommunikation und Empathie zählen
Fachwissen ist im Versicherungsaußendienst selbstverständlich wichtig. Für Nina sind jedoch auch soziale Fähigkeiten entscheidend.
Kommunikation hilft dabei, herauszufinden, welche Absicherung tatsächlich zu einer Person und ihrer Lebenssituation passt. Einfühlungsvermögen wird spätestens dann besonders wichtig, wenn Kundinnen und Kunden mit Krankheit, Verlust oder anderen belastenden Situationen konfrontiert sind.
Auch Geduld gehört für Nina dazu. Nicht jeder Mensch möchte oder kann sämtliche Abläufe ausschließlich digital erledigen. Manchmal ist ein persönliches Gespräch einfach die bessere Lösung.
Hinzu kommen Verantwortungsbewusstsein, Genauigkeit und Lösungsorientierung. Denn wenn bereits ein Problem besteht, hilft es wenig, nur darüber zu sprechen. Entscheidend ist, gemeinsam nach einer Lösung zu suchen.
Digital – aber nicht unpersönlich
Auch vor der Versicherungsbranche macht die Digitalisierung nicht Halt. Unterschriften, Dokumente, Schadenmeldungen oder Rechnungseinreichungen können mittlerweile elektronisch abgewickelt werden.
Das macht zahlreiche Abläufe schneller und einfacher. Trotzdem möchte Nina auf den persönlichen Kontakt nicht verzichten.
Auch künstliche Intelligenz spielt in ihrem Arbeitsalltag bislang nur eine kleinere Rolle. Für die Zukunft kann sie sich allerdings vorstellen, dass KI beispielsweise bei der Vertragserstellung oder Schadenabwicklung stärker unterstützt.
Als Ersatz für persönliche Beratung sieht sie Technologie jedoch nicht.
„Kunden wünschen sich gerade bei wichtigen Entscheidungen einen Ansprechpartner, der ihre individuelle Situation versteht, auf ihre Bedürfnisse eingeht und auch zwischen den Zeilen lesen kann.“
Für Nina liegt die Zukunft deshalb in der Kombination: Technologie kann Prozesse im Hintergrund vereinfachen und beschleunigen. Dadurch bleibt mehr Zeit für das, was im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht – persönliche Beratung, Vertrauen und die Begleitung von Menschen.
Teamarbeit statt Einzelkämpfertum
Auch wenn Nina ihren Arbeitstag weitgehend selbstständig organisiert, arbeitet sie nicht allein. Je nach Anliegen stimmt sie sich mit Kolleginnen und Kollegen im Innen- und Außendienst, selbstständigen Generalagenten, Mitarbeitenden aus der Zentrale oder verschiedenen Fachabteilungen ab.
Manche Entscheidungen benötigen eine Freigabe, bei anderen Fragen ist das Spezialwissen einer bestimmten Abteilung gefragt.
In ihrem eigenen Büro erlebt Nina die Zusammenarbeit als besonders positiv: Jeder unterstützt jeden und gemeinsam wird nach der besten Lösung gesucht.
Auch das gehört für sie zu einem Beruf, der von außen oft viel stärker nach Einzelkämpfertum aussieht, als er tatsächlich ist.
Mathe-Genie? Nicht notwendig
Wer sich für eine Karriere im Versicherungswesen interessiert, muss laut Nina übrigens kein Mathe-Genie sein.
Grundlegende mathematische Kenntnisse sollte man natürlich mitbringen. Viel wichtiger seien aber Eigenschaften wie Freundlichkeit, Empathie, Offenheit, Genauigkeit und Lernbereitschaft.
Dass es am Anfang viel zu lernen gibt, hat Nina selbst überrascht. Zahlreiche Produkte, Tarife und Abläufe können zunächst überwältigend wirken. Mit der Zeit wächst jedoch die Erfahrung – und vieles wird zur Routine.
Jungen Menschen, die noch nicht genau wissen, welcher Beruf zu ihnen passen könnte, gibt sie deshalb einen einfachen Tipp:
„Warum nicht einfach mal ausprobieren? Man kann nur wissen, ob man in etwas gut ist oder ob es einem gefällt, wenn man es versucht hat.“
Praktika oder Schnuppertage können dabei helfen, einen realistischen Eindruck vom Berufsalltag zu bekommen und mit bestehenden Vorurteilen aufzuräumen.
Freiheit, Verantwortung und viel Abwechslung
Einen großen Vorteil ihres Berufs sieht Nina im selbstständigen Arbeiten. Sie kann ihren Tag weitgehend eigenverantwortlich planen und flexibel auf die Bedürfnisse ihrer Kundinnen und Kunden reagieren.
Diese Freiheit bringt gleichzeitig Verantwortung mit sich. Genau diese Kombination macht für Nina den Reiz des Berufs aus.
In drei Worten beschreibt sie ihren Arbeitsalltag deshalb als:
„Spannend. Emotional. Schön.“
Und was bedeutet Versicherung für sie persönlich?
„Versicherung ist für mich mehr als ein Bürojob, weil hinter der Büroarbeit die Geschichten, Emotionen und Wünsche der Menschen stehen, die wir betreuen dürfen.“
Vielleicht ist genau das der Punkt, den man von außen am wenigsten sieht: Hinter Verträgen und Formularen stehen keine Zahlen, sondern Menschen und ihre ganz persönlichen Lebenssituationen.
Wer sich für eine Karriere in der Versicherungsbranche interessiert, sollte sich deshalb nicht von klassischen Vorstellungen abschrecken lassen. Am besten ist es, selbst einen Einblick zu bekommen, Fragen zu stellen und auszuprobieren, ob der Beruf zu einem passt.
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