Wer an Versicherungsberatung denkt, denkt vielleicht zuerst an Verträge, Polizzen und Verkaufsgespräche. Doch hinter dem Beruf steckt weit mehr. Versicherungsberater/-innen begleiten Menschen in unterschiedlichsten Lebenssituationen, helfen bei wichtigen Entscheidungen und sind oft genau dann gefragt, wenn etwas Unvorhergesehenes passiert.
Anatol Hagn arbeitet seit 2012 als Versicherungsberater. Sein eigener Weg in die Branche war dabei alles andere als vorgezeichnet: Ursprünglich absolvierte er eine Lehre als Lackierer und schloss als bester Nachwuchslackierer Salzburgs ab. Nach dem Wehrdienst entschied er sich jedoch für einen beruflichen Neustart und eine weitere, verkürzte Lehre.
Heute weiß er, dass diese Entscheidung die richtige war. Was ihn bis heute an der Versicherungsberatung begeistert? Die Abwechslung, die Verantwortung und vor allem die Zusammenarbeit mit Menschen.
Kein Arbeitstag gleicht dem anderen
Einen typischen Arbeitstag gibt es in der Versicherungsberatung kaum. Zwar startet Anatol Hagn mit eigenen Terminen, Zielen und Plänen in den Tag – doch häufig kommt es anders als gedacht.
Neue Anliegen erreichen ihn teilweise bereits auf dem Weg ins Büro. Die Betreuung seiner Kund/-innen findet telefonisch, per E-Mail oder WhatsApp statt, besonders wichtig ist ihm aber nach wie vor das persönliche Gespräch.
Dabei betreut er sowohl Privatkund/-innen als auch Unternehmen. Über die Jahre entstehen daraus oft langfristige Beziehungen. So wurden beispielsweise aus Privatkund/-innen später Unternehmer/-innen, deren Betriebe heute ebenfalls von ihm betreut werden.
Auch die Themen verändern sich laufend. In den vergangenen Jahren ist etwa die persönliche Vorsorge stärker in den Mittelpunkt gerückt – vom Ansparen für die Pension bis zur zusätzlichen Absicherung im Gesundheitsbereich.
Gerade diese Vielfalt macht die Versicherungsberatung für ihn besonders spannend.
Beraten statt einfach nur verkaufen
Natürlich gehört der Verkauf von Versicherungsprodukten zum Beruf. Doch er macht längst nicht alles aus.
Ein großer Teil von Hagns Arbeit besteht heute darin, bestehende Kund/-innen zu betreuen, bei Schadenfällen zu unterstützen und Versicherungsverträge an neue Lebenssituationen anzupassen.
Die persönliche Beratung ist für ihn dabei der schönste Teil seines Berufs.
Denn um eine passende Lösung anbieten zu können, muss man zuerst verstehen, was ein Mensch tatsächlich braucht. Welche Lebenssituation liegt vor? Welche Risiken gibt es? Welche Veränderungen stehen bevor?
Genau deshalb setzt Hagn auf persönliche Gespräche und gezielte Fragen. Nur so könne man Kund/-innen wirklich kennenlernen und Lösungen finden, die zu ihrer individuellen Situation passen.
Für ihn steht fest: Nur Produkte, die ehrlich und verständlich erklärt werden und den Kund/-innen tatsächlich einen Nutzen bringen, haben langfristig Bestand.
Vertrauen als Grundlage guter Versicherungsberatung
Versicherungsberatung beschäftigt sich häufig mit sehr persönlichen Themen. Vertrauen ist deshalb eine der wichtigsten Grundlagen für eine langfristige Zusammenarbeit.
Für Anatol Hagn entsteht dieses Vertrauen durch ehrliche und offene Gespräche, Fachwissen und Verlässlichkeit. Sein eigener Anspruch ist einfach: Er möchte seine Kund/-innen so beraten, wie er selbst gerne beraten werden würde.
Wie wichtig diese Haltung sein kann, zeigt ein Beispiel aus seinem Berufsalltag.
Nach einem Kellerbrand war Hagn bereits am folgenden Tag persönlich bei einem Kunden vor Ort. Die Gebäudeversicherung bestand zu diesem Zeitpunkt bei einem anderen Versicherungsunternehmen. Weil die Abwicklung dort jedoch nicht vorankam und der Kunde Unterstützung benötigte, kümmerte sich Hagn trotzdem um die Kommunikation und weitere Vorgehensweise.
Für ihn stand in diesem Moment nicht der eigene Vertrag im Mittelpunkt, sondern die Frage, wie dem Kunden möglichst rasch geholfen werden konnte.
Solche Situationen schaffen Vertrauen – und können die Grundlage für eine Zusammenarbeit über viele Jahre bilden.
Fachwissen ist die Basis der Versicherungsberatung
So wichtig Kommunikation und Menschenkenntnis in der Versicherungsberatung sind, ohne fundiertes Fachwissen geht es nicht.
Anatol Hagn gewichtet die drei Bereiche für seinen Berufsalltag klar: 70 Prozent Fachwissen, 20 Prozent Kommunikation und 10 Prozent Menschenkenntnis.
Warum Fachwissen für ihn an erster Stelle steht, erklärt sich durch die große Verantwortung des Berufs. Bei Versicherungen kann es schließlich um hohe finanzielle Werte und im Ernstfall sogar um Existenzen gehen.
Wer beispielsweise ein Gebäude versichert, müsse sich immer bewusst machen, was Kund/-innen leisten mussten, um diesen Besitz aufzubauen. Entsprechend sorgfältig müsse die Beratung erfolgen.
Neben Fachwissen sind für ihn deshalb Ehrlichkeit, Verantwortungsbewusstsein, Empathie und Eigeninitiative besonders wichtig.
Menschen durch unterschiedliche Lebensphasen begleiten
Versicherungsberater/-innen begleiten ihre Kund/-innen in nahezu allen Lebenssituationen.
Die erste Wohnung, ein Auto, Familienzuwachs, ein Eigenheim oder die persönliche Vorsorge können Veränderungen bei bestehenden Versicherungen notwendig machen. Gleichzeitig gehören auch weniger schöne Situationen wie Unfälle, Erkrankungen oder Schadenfälle zum Berufsalltag.
Dass eine gute Beratung dabei einen echten Unterschied machen kann, hat Anatol Hagn selbst erlebt.
Ein Kunde kam ursprünglich wegen der Anmeldung eines Motorrads zu ihm. Im Gespräch sprach Hagn zusätzlich das Thema Unfallversicherung an. Der Kunde nahm sich die Zeit für eine ausführliche Beratung und entschied sich für den Abschluss.
Bereits am darauffolgenden Wochenende kam er bei einer Motorradausfahrt zu Sturz und verletzte sich. Die Unfallversicherung unterstützte ihn anschließend finanziell bei seiner Rückkehr ins Berufsleben, unter anderem bei Physiotherapie und privaten medizinischen Leistungen.
Für Hagn sind genau solche Situationen ein Beispiel dafür, wie wichtig es ist, im Gespräch aufmerksam zu sein und auch Themen anzusprechen, die Kund/-innen vielleicht noch nicht selbst bedacht haben.
Digitalisierung unterstützt die Versicherungsberatung
Auch die Versicherungsbranche ist in den vergangenen Jahren deutlich digitaler geworden.
Digitale Meetings erleichtern den Austausch und Apps ermöglichen Kund/-innen, ihre Polizzen einfacher zu verwalten und den Überblick über ihre Versicherungen zu behalten. Auch künstliche Intelligenz könnte künftig einfache Vertragsänderungen oder Schadenabwicklungen unterstützen.
Trotzdem ist Anatol Hagn überzeugt, dass es ohne persönliche Beratung nicht geht.
Gerade bei Fragen zu Versicherungen oder in einem Schadenfall seien Kund/-innen froh, eine bekannte Stimme zu hören und mit einer Person zu sprechen, die ihre Situation bereits kennt.
Auch ein persönliches Netzwerk kann entscheidend sein. Versicherungsberater/-innen können bei Bedarf Kontakte zu Handwerker/-innen, Rechtsanwält/-innen oder Sachverständigen herstellen und dadurch bei unterschiedlichen Herausforderungen unterstützen.
Für Hagn liegt die Zukunft deshalb in der Kombination: persönliche Beratung mit technischer Unterstützung.
Welche Eigenschaften braucht man für die Versicherungsberatung?
Wer sich für einen Einstieg in die Versicherungsbranche interessiert, sollte vor allem Eigenmotivation, Verantwortungsbewusstsein, Lernbereitschaft und Freude am Umgang mit Menschen mitbringen.
Denn der Beruf verlangt viel Selbstständigkeit. Nicht jeder Tag läuft nach Plan und immer wieder entstehen neue Herausforderungen, auf die flexibel reagiert werden muss.
Jungen Menschen, die herausfinden möchten, ob der Beruf zu ihnen passt, empfiehlt Hagn deshalb einen möglichst direkten Einblick in die Praxis: ein Praktikum.
Durch Zuschauen und aktives Mitarbeiten lasse sich am besten erkennen, wie vielseitig das Tätigkeitsspektrum tatsächlich ist.
Auch seinem jüngeren Ich würde er rückblickend einen sehr praktischen Rat geben:
„Termine, Termine, Termine!“
Denn Kundengespräche und Praxiserfahrung seien die besten Lehrmeister.
Ein Beruf mit viel Eigenverantwortung
Für Anatol Hagn ist die Versicherungsberatung vor allem eines: abwechslungsreich. Neue Begegnungen, unterschiedliche Lebensgeschichten und immer wieder neue Herausforderungen sorgen dafür, dass kein Arbeitstag dem anderen gleicht.
Gleichzeitig bietet der Beruf viel Eigenverantwortung und die Möglichkeit, den eigenen Arbeitsalltag aktiv mitzugestalten. Für Hagn waren gerade diese Möglichkeiten entscheidend dafür, dass er seinen Wechsel von der Werkstatt in die Versicherungsbranche bis heute nicht bereut.
Seinen Beruf beschreibt er in drei Worten:
„Abwechslungsreich, kundenorientiert und eigenverantwortlich.“
Wer gerne mit Menschen arbeitet, Verantwortung übernimmt und sich selbst motivieren kann, findet in der Versicherungsbranche damit einen vielseitigen Beruf mit spannenden Entwicklungsmöglichkeiten.
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